Eröffnungsgottesdienst zum Projekt: "Du hast Würde"

Ausgeschickt als Botschafter der unumstößlichen Menschenwürde stellte Gemeindereferentin Regina Schmucker in der weiß gekachelten, mit grellem Licht ausgeleuchteten Bahnhofshalle auf einem rot und golden drapierten Podest die grob geschnitzten Holzfiguren vor.
Ihr unperfektes Aussehen, ihr bescheidenes Auftreten ist beabsichtigt, weist es doch auf die Risse, die Unzulänglichkeiten und die Verletzlichkeiten jedes einzelnen Menschen hin. Erst auf den zweiten Blick bemerkt man abseits der Figuren die Kronen, das Zeichen ihrer Würde. Sie versinnbildlichen die Würde, die jedem Mensch zu eigen ist, und die aufgrund globaler Herausforderungen wie Krieg, Hunger, Armut, soziale Ungerechtigkeit sowie mangelnde Wertschätzung häufig bedroht ist.
Beispielhaft stellten vier Frauen ihre Erlebnisse, Erfahrungen und Stellungnahmen zum Thema Menschenwürde vor.
So schilderte Josefine das mühsame Leben einer Frau, die in Sigmaringen in einer feuchten Sozialwohnung lebt, sich schämt, finanzielle Unterstützung anzunehmen und deren Krone bei ihren vergeblichen Bemühungen, eine andere Wohnung zu finden, immer mehr verblasst.

Maritta sieht die Aufgabe der Pädagogen darin, junge Menschen erfahren zu lassen, was Würde ist und wie sie diese Würde, ihre eigene und die der anderen, schützen und stärken können.
Ein persönliches Statement von Olena aus der Nähe von Kiew berührte die Anwesenden. „Würde ist für mich die Freiheit zu wählen, was ich für richtig halte. Ich bin würdig, wenn ich weiß, dass ich das Recht habe dort zu sein, wo ich bin. Ich bin würdig, wenn ich stolz darauf bin, Ukrainerin, Frau und Mensch zu sein.“
Mit einem Zitat aus dem Buch des Propheten Jesaja zum Thema Menschenwürde setzte Pfarrer Matthias Ströhle den Gottesdienst fort.

Nach dem letzten gemeinsam gesungenen, mit Gitarre und Querflöte begleiteten Lied verabschiedete Regina Schmucker den König samt der Hoffnungskerze nach Sigmaringendorf. Dort wird er in den kommenden Wochen von Haus zu Haus gehen und an den verschiedenen Orten auf seine Weise wirken.
Der erste Aufenthaltsort der Königin ist das Bildungszentrum Gorheim, das zu einer Ausstellung zum Thema Menschenrechte einlädt. Rund um das Projekt wird es auch eine Schreibwerkstatt geben, die von der Schreibpädagogin Josefine Barbara Renner geleitet wird.
Elisabeth Weiger
